Bericht vom Männertag 2019

von Mathias Suremann

Liebe Männer

Einen so ereignisreichen Tag wie diesen Samstag in ein paar wenigen Sätzen zusammenzufassen, macht Freude, ist aber auch herausfordernd. Nach meinem ersten Männerweekend im vergangenen März war dies nun mein erster Männertag als Teil des Männerforums.

Mein erstes persönliches Highlight an diesem kalten Samstagmorgen war auf jeden Fall die warmherzige Begrüssung unseres Vorstandspräsidenten Martin (Tinu) Schär. Ich kann mich nicht erinnern, wann mich das letzte Mal jemand auf diese herzliche Weise hochgehoben und begrüsst hat. (Bei meinem Gewicht sicher auch nicht die leichteste Aufgabe.) Aber er hat es getan! Danke Tinu! Das war einfach mega!

Und so lief es Schlag auf Schlag weiter! Kaum hatten wir den Eingangsbereich für die ankommenden Besucher fertig eingerichtet, ging es auch schon los: Ich weiss nicht, wie ich Euch meine Eindrücke der nächsten zwei Stunden genau beschreiben soll. Ich versuche es darum ganz einfach mit einem Vers aus dem Rap-Song «Pharao» der Comedy-Truppe «Superzwei» (ehem. NimmZwei)

«Was dann geschehen ist, zog mir die Schuhe aus, aus dem feurigen Strauch sprach Gott zu mir heraus: Er meint zu mir: Hey Moses, Alter, hast Du etwas Zeit? Ich sag’: Yo ein paar Minuten, aber nicht die Ewigkeit».

Es war wirklich sehr eindrücklich. Ich habe ja während meines Studiums schon die eine oder andere IGW-Konferenz in der FCG Aarau miterlebt, aber dieser Morgen: Da blieb mir schlicht «die Spucke weg»! Unser Kassenteam hat gegen 750 Eintritte «abgefertigt»! Ich hoffe, Ihr verzeiht mir meine Wortwahl, aber das war der Wahnsinn! Darum an dieser Stelle auch ein riesengrosses Dankeschön an Euch alle, die Ihr an diesem besonderen Tag teilgenommen habt.

Nach der lang ersehnten – und Meiner Meinung nach auch wohl verdienten – Stärkung durch einen Kaffee und einen leckeren Laugengipfel, setzte ich mich voller Elan in den Saal, um Johannes Hartls erstem Referat zu folgen. Den mitreissenden Worship verfolgte ich noch über die Bildschirme, aber bei Andrew Andes Einstieg der etwas anderen, martialischen Art, war ich (noch) voll dabei.

Seit seinem neunten Lebensjahr trainiert Andrew Martial Arts und leitet eine eigene, philippinische Kampfkunstschule in Zürich. Auf eindrückliche Weise demonstrierte er uns, dass eigentlich alles, was ein Kämpfer in die Hand nimmt, zu einer Waffe werden kann. Alles wird zu seinem verlängerten Arm. Während in vielen Kampfschulen aus Sicherheitsgründen mit Stöcken und anderen Hilfsmitteln trainiert wird, wird auf den Philippinen immer mit scharfen Schwertern und Messern trainiert! Auf diese Weise hat der Kämpfer stets die Realität vor Augen und ist im Kampftraining wach und bereit.

Ich habe alle Referate von Johannes auf unserer Homepage nochmals nachgehört, und sie treffen mich auch heute noch genauso ins Herz wie am vergangenen Samstag. Vor allem der erste Seminarteil hat mich besonders angesprochen. Höhlen, Brüste, Säbelzahntiger und Mammutjäger… welchem Mann geht da nicht schon das Herz auf? Die zwischenzeitlich aufgelistete Männerstatistik vermag die gute Stimmung zwar kurzzeitig zu trüben. Denn wer von uns hört sich nicht lieber Geschichten über heroische Mammutjäger an, als dass Männer laut Statistik sieben Jahre früher sterben als Frauen? Oder dass die Suizidrate bei Männern nach Scheidungen sechs Mal höher ist als diejenige bei Frauen? Und erst recht nicht, dass 74% der Suizide in Deutschland von Männern begangen werden…! Ja, heroisch klingt wahrhaft anders.

Aber zum Glück kann Johannes Hartl auch humorvoll. So nimmt er uns ganz unverblümt und praktisch in seinen Familienalltag hinein und verlinkt die Geburtstagsfeiern seiner Kinder geschickt mit seinem Referatsthema «Weg des Jägers». Während seine Tochter eine «Prinzessinnenfeier» ausrichtet, geht's bei seinem Sohn wahrhaft rau und männlich zu und her. Da geht man in den Wald, und dann wird gerauft und geprügelt, was das Zeug hält. Und manchmal würden wir uns dann wünschen, dass auch die Jungs Prinzessinnenfeiern ausrichten würden, denn bei Prinzessinnenfeiern geht es tolerant zu und her, und Toleranz ist in unserer heutigen Gesellschaft doch ein immens wichtiger Wert. Auf eindrückliche Weise führt Hartl fort, wie gleichzeitig ursprünglich eher männlich gefärbte Begriffe an Wert verlieren, weil sie von der Gesellschaft als negativ eingestuft und bewertet werden.

Hat jemand ein grosses Durchsetzungsvermögen, heisst es sofort: «Der will etwas zu sehr. Der ist egoistisch. Der ist aggressiv. Und wenn du aggressiv bist, kriegst Du Ritalin. Damit du passt…in den Kindergarten…der von Frauen geleitet wird. In die Grundschule…wo Deine Lehrer alles Lehrerinnen sind…». Diese und zahlreiche andere Beispiele zeigen sehr wohl, dass in unserer Gesellschaft ein offensichtliches Männerproblem besteht!

Dabei ist gegen die Förderung und Unterstützung der Frauenrechte sicher nichts einzuwenden. Im Gegenteil! Diese Programme sind wichtig und richtig. Dass jedoch der Weltfrauentag überall gross gefeiert wird, während dem von Michail Gorbatschow am 3. November 2000 initiierten Männertag kaum jemand Beachtung schenkt, spricht indes ebenfalls Bände…

Mit seinem zweiten Referat zur Loslösung des Mannes von ungesunden, emotionalen Abhängigkeiten von Frauen, vermag mich Hartl ebenso zu begeistern. Wie er die Wichtigkeit des Wilden betont, das bei vielen Männern verkümmert ist. Dieses «auch mal etwas für sich alleine machen». Oder dass Männer sehr wohl Lust haben, von einer Mammutjagd wieder nach Hause zu kommen, wenn sie denn nur lange genug weg waren, trifft genau mein Herz! Auch finde ich enorm wichtig, was er zum Thema «Nachgeben» und «Nett sein» zu sagen hat: Nachgeben ist vielleicht nett, ist aber nicht immer Liebe. Liebe darf stehen – oder standhaft bleiben. Liebe kann sagen: «Hier bin ich mit meinen Ideen und Vorstellungen und hier bist Du mit Deinen Bedürfnissen und Vorstellungen und jetzt können wir reden…» Als Mann muss man nicht alles mit sich machen lassen. Man(n) muss sich nicht alles gefallen lassen. Auch nicht von seiner Partnerin. Wir sind Mammutjäger…! Und als Mammutjäger hat man auch Brüder um sich rum.

Hier schwenkt Hartl zum Thema Männerfreundschaften und Männerbeziehungen ein. Sein Beispiel aus Sprüche 27,17 vermag mich sehr zu faszinieren: «Eisen wird durch Eisen geschärft und ein Mann schärft das Angesicht seines Nächsten». Eisen wird nicht geschärft, wenn man es durch Watte zieht. Da braucht es nun mal etwas Schärferes! Männer brauchen, um erwachsen zu werden, andere Männer. Das, was uns zum ganzen Kerl macht, sind nicht Frauen. Und es ist auch nicht der Job unserer Partnerin, unserer Mama oder unserer besten Freundin, uns zu sagen, wer wir als Kerl sind. Wer uns sagen kann, wer wir als Kerl sind, sind andere Männer! Wenn uns andere Männer sagen: «Du hast das drauf», geht das nun mal auf einer anderen Ebene tief, als wenn uns unsere Partnerin uns sagt: «Du bist mein starker Held». (Das darf sie auch ab und zu!)

In seinem letzten Referat zum Thema «Der Weg des Kriegers» geht Hartl schliesslich auf die grosse Diskrepanz zwischen äusserlichem und innerlichem Erscheinungsbild ein. Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Der Herr aber sieht das Herz an (1 Sam 16:7). Dabei führt Hartl aus, dass die innere Botschaft wichtiger ist als das Aussen. Und auch das von ihm wiedergegebene Zitat: «Was Du bist, schreit so laut an meine Ohren, dass ich nicht hören kann, was Du sagst», finde ich sehr cool. Aber ich finde es schade, dass Hartl das äussere und das innere Erscheinungsbild so klar voneinander trennt. Gerade aus meiner persönlichen Betroffenheit und meinen weitreichenden beruflichen Erfahrungen zu diesem Thema kann ich hier nur in begrenztem Mass seine Meinung teilen. Den persönlichen Seelengarten und die persönliche Beziehung zu Gott aus seinem inneren Antrieb heraus zu pflegen, ist enorm wichtig und richtig. Gar kein Zweifel! Dass wir dabei aber auch dem äusseren Menschen Sorge tragen sollen und auch müssen, darf und soll dabei nicht vergessen werden. Denn so wie ich die Bibel verstehe, tragen wir für unseren äusseren Menschen eine genauso grosse Verantwortung wie für unseren inneren…

Ich hoffe, Ihr durftet von diesem ereignisreichen Tag ebenso viele positive Impulse nach Hause nehmen wie ich! Und ich bin sicher, der eine oder andere von uns wird in naher Zukunft noch oft mit einem Lachen auf den Lippen an Johannes Hartl zurückdenken. Spätestens nämlich dann, wenn wir uns das nächste Mal komplett verloren in einem Supermarkt wiederfinden…auf der Suche nach dem Schmand…!

In diesem Sinne macht’s gut und bis zum nächsten Männerweekend im Ländli in Oberägeri!

Audio

Hier kannst du dir die Referate vom Männertag anhören.

Johannes Hartl Session 1

Johannes Hartl Session 2

Johannes Hartl Session 3

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Von Johannes Hartl verwendete Bibelverse

Lukas 15,20 / 2. Korinther 1,3 / Sprüche 31,3 / Sprüche 27,17 / Matthäus 11,12 / Matthäus 11,27 / 1. Mose 2,20 / 1. Mose 2,24 / 1. Könige 10,7 / Matthäus 13,22 / 1. Mose 2,15 / Hosea 1,6 / Jesaia 13,2+3 / 1. Johannes 5,4 / 1. Timotheus 6,12 / Hesekiel 37,4

Impressionen Männertag 2019

Ganze Kerle braucht das Land (Idea/rf)